Regiestatement
Im Raum Salzburg gibt es eine große Untergrund-Drogenszene, die eine Parallelgesellschaft zu dem sonstigen „Schickimicki“-Salzburg mit den Festspielen und Bootsrundfahrten auf der „Amadeus“ darstellt. Der Film soll diese komplett totgeschwiegene Welt (wie würde das auch in das Bild des hübschen Salzburg passen?) zum Leben erwecken und ihre Mechanismen und inneren Konflikte portraitieren. Es ist mir ein großes Verlangen, den Zuseher dieses real existierende Milieu zu zeigen. Denn – schließlich bin ich in ihm aufgewachsen!
Meine Fantasie war mein persönliches Rezept, um in diesem von außen betrachtet zerstörerischen und katastrophalen Umfeld von Drogensüchtigen, Dealern und Verbrechen glücklich aufzuwachsen. Die Liebe meiner Mutter hat es ermöglicht, dass es für mich die Beste aller Welten war, schließlich kannte ich keine andere und hatte das Wichtigste, das ein Kind nur haben kann: die Geborgenheit der Liebe der Mutter.
Schon als Kind wollte ich Abenteurer werden, und bereits damals war mir klar, dass ich diese Fantasien nicht für mich behalten möchte, nein, kann! Ich weiß nicht, wo genau die Wurzeln dieses inneren Dranges, Geschichten zu erzählen und Filme zu machen, herkommen. Klar ist nur, dass sie mir die Kraft und Ausdauer geben, um in dieser harten Branche um meine Träume zu kämpfen. Und letztlich bin ich es auch geworden, ein Abenteurer.
Mit Wolfgang Ritzberger habe ich einen Produzenten gefunden, der in mir nicht nur eine mögliche Verdienstquelle sieht, sondern der sich mit meinen Ideen und Visionen vollkommen identifizieren kann und dem die Realisierung meiner Stoffe, in diesem Fall „Die Beste aller Welten“, genauso am Herzen liegt wie mir und der mir und meinen Konzepten vertraut, obwohl ich es ihm nicht immer leicht mache.
Adrian und Helga am Lagerfeuer an der Salzach.
Meine Eltern wurden 1999 clean und so habe ich erst im Nachhinein begriffen, in was für einer emotionalen, zerstörten Hölle ich meine Kindheit verbracht hatte. Einige Jahre lang wischte ich die Vergangenheit weg, blickte in die Zukunft und verfolgte mein ambitioniertes Ziel, ein Weltklasse-Regisseur zu werden.
Erst 2010 beschäftigte ich mich durch den Kurzfilm „Aitch“, in dem die Heroinsucht meines Stiefvaters Günter dargestellt wird, mit dem diesem für mich sehr persönlichen Thema.
Schließlich der Paukenschlag im Sommer 2012: Der Tod meiner Mutter Helga im Alter von nur 39 Jahren. So schmerzvoll dieser Verlust auch war und ist, hat er mir doch die Augen geöffnet, dass die Zeit drängt und ich diese einzigartige Geschichte in einigen Jahren vielleicht gar nicht mehr in dem Umfang und mit der Authentizität erzählen kann, wie ich es gerne möchte und auch für nötig halte. Das wäre unverzeihbar!
Schwemmholz von der Salzach beim Trocknen.
„Die Beste aller Welten“ ist eine einmalige Geschichte, weil sie wahr ist. Der Stoff ist nicht nur eine autobiografische Inspiration, sondern vor allem die Charaktere sind zu Hundertprozent den realen Personen nachempfunden. Selbstverständlich wurden die Aktionen und Vorgänge dem Drehbuch angepasst (es geht ja nicht nur um Wahrheit sondern um filmische Wahrhaftigkeit), doch die meisten Handlungen haben sich genau so zugetragen.
Da ich einer der wenigen bin, der als Kind in dieser für viele fremden Welt von Drogensüchtigen und Dealern steckte und jetzt noch darüber erzählen kann, sehe ich es auch als eine Verpflichtung, diesen Film zu machen. Es ist nötig, eine völlig neue und wahre Sichtweise auf das Drogenmilieu, aus den Augen eines Kindes, zu kreieren.
Wenn man die Eckdaten meiner Kindheit hört, denken die meisten Menschen, dass ich eine Hölle auf Erden durchlebt habe, geprägt von Vernachlässigung, Enttäuschung und Schmerz. Weit daneben! „Die Beste aller Welten“ soll ein Pendant zu den, meiner Meinung nach, unrealistischen und überzeichneten Drogenfilmen wie „Trainspotting“, „Requiem for a Dream“ oder „Spun“ werden.
Es ist möglich, in diesem endlosen Drogensumpf als ein glückliches Kind aufzuwachsen. Das ist schwer vorstellbar und genau deshalb muss es diesen Film geben!
Neben meiner grundsätzlichen Intention, die österreichische Drogenszene der 90er Jahre aus der Sicht eines 8-jährigen zu zeigen, ist „Die Beste aller Welten“ vor allem eine Liebesgeschichte. Eine Liebesgeschichte zwischen einem Buben und seiner Mutter.
Ein Bub, der durch seine lebensfrohe und glückliche Art wie ein Licht in der Dunkelheit der traurigen Menschen leuchtet und eine Mutter, die ihren Sohn über alles liebt, obwohl sie in ihrer Sucht gefangen ist.
Doch durch die Liebe zueinander wird ihr Leben nicht nur erträglich, sondern für die beiden entsteht eine eigene Welt. Die Beste aller Welten.
Adrian Goiginger
ergänzende Bemerkung zum Drehkonzept
Im Drehbuch liegt mein Herz und meine Seele. Da ich fast alles genauso erlebt habe, ist die Geschichte vollgepackt mit echten Charakteren, authentischen Dialogen und wahren Emotionen. Aber, und das möchte ich betonen, das Drehbuch war erst nach dem Dreh wirklich fertig. Mein Konzept war zunächst eine intensive Vorbereitung mit den Schauspielern, vor allem mit Verena Altenberger, der Darstellerin der Helga, und dem Jeremy Miliker, der den kleinen Adrian spielt. Dank dieser intensiven Vorbereitung, hat jeder sein Herzblut beim Drehen einfließen lassen und dadurch hat sich die Struktur innerhalb einer Szene zum Teil komplett geändert. Diese Freiheit, die ich meinen Darstellern eingeräumt habe, hat diese für viele so fremde Welt zum Leben erweckt – ein wichtiger Bestandteil für die Verschmelzung von Fiktion und Realität.
ergänzende Bemerkungen zu den beiden Hauptrollen:
Verena Altenberger wollte die Rolle und ich wollte Verena Altenberger für die Rolle. Und nachdem wir beim Teaserdreh im Jänner 2015 zusammengefunden hatten, war es uns beiden klar: wenn es den Film geben wird, dann mit Ihr als Helga. Von Anfang an habe ich aber auch immer gesagt, von dem Buben der mich spielen wird, wird der ganze Film abhängen. Er muss spielen können, sollte des Dialektes wegen aus Salzburg sein und sollte die Möglichkeit haben 5, 6 Wochen drehen zu dürfen – was erstens von seinen Eltern, zweitens von seiner Schule und drittens von den Behörden abhängig sein wird. Und wirklich, wir haben ein Talent entdeckt, dass sofort nach unseren Dreharbeiten für einen weiteren Spielfilm gecastet und engagiert wurde: Jeremy Miliker, 7 Jahre alt aus St. Johann im Pongau. Der kleine Jeremy wurde auch, was selbst bei erwachsenen Schauspielern nicht immer zu erwarten ist, von Castingrunde zu Castingrunde besser, konnte mit Regieanweisungen umgehen und verlor trotzdem seine Natürlichkeit nicht. Seine Eltern waren einverstanden, er ist ein sehr guter Schüler, der in den Drehpausen fast spielend lernte und auch die Behörden waren von ihm überzeugt. Und was wir alle erhofft haben, auf der Leinwand kommt er ganz groß raus, die Kamera liebt ihn und er ist ein wirklich großes Talent.
ergänzende Bemerkungen zum Director of Photographie:
Für meinen Debutfilm hatte ich ein sehr genaues Konzept vor Augen, wie ich den Film fotografiert wissen wollte. Gemeinsam mit meinem Jugendfreund Paul Sprinz, mit dem ich meine ersten Kurzfilme gemacht hatte, haben wir ein Konzept ausgearbeitet, dass wir bei allen Präsentationen und Pitchings verwendet haben. Paul war dann auch als Kameramann an der zweiten Kamera, wir haben fast alle Szenen mit zwei Kameras gedreht, maßgeblich an der Bildgestaltung beteiligt. Zu verdanken habe ich aber die Umsetzung unserem DoP (Director of Photographie), der das Konzept durch seine eigenen Ideen ergänzt und perfekt umgesetzt hat: Yoshi Heimrath. Der Münchner mit Wohnsitz in Berlin hat so wie ich in Ludwigsburg studiert und mit seinen Kameraarbeiten bereit etliche Preise gewonnen. Ich habe mir die Auswahl nicht leicht gemacht und mit vielen Kameraleuten aus Österreich und Deutschland gesprochen, bevor ich mich für Yoshi entschieden hatte. Das Ergebnis ist ein opulentes Kinobild, dass uns am Geschehen teilhaben lässt, weil die Kamera für uns dabei ist, so als ob wir, meist durch die Augen des kleinen Adrian, selbst zusehen würden. Seine Bilder sind inszeniert, ohne so zu wirken, und lassen uns teilhaben an dieser Welt, an die ich mich genauso erinnere.
ergänzende Bemerkungen zu meinen Salzburger Freunden
Paul Sprinz habe ich schon erwähnt, Martin Pfeil, Richard Mulle und Peter Wildling – und schließlich noch Dominik Wallner (Komponist) und Manuel Schönegger (Tontechniker) gehören zu meinem engsten Freundeskreis, mit dem ich schon meine ersten filmischen Gehversuche unternommen hatte. Paul halte ich für einen sehr talentierten Kameramann, Martin ist ein engagierter Cutter und Datenwrangler (er war als Schnittassistent und Datenwrangler unermüdlich im Einsatz), Richie oft der gute Geist in allen Lebenslagen und schließlich Peter, der im Produktionsstab als Motivmanager und lokaler Serviceproduzent Großes geleistet hat. Auf diesen engen Kreis an Feunden konnte und kann ich mich immer verlassen, dafür lieben Dank. Ihr habt mich auf der langen Reise zum ersten echten Spielfilm durch Jahre hindurch begleitet, ohne Euch wäre ich noch lange nicht dort angekommen.