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Produzentenstatement

Ein Talent wartet auf seine Chance

Adrian Goiginger ist meines Erachtens eines der größten Talente in unserem Land (Brigitte Dithard vom SWR bezeichnet ihn als das größte Talent, dass derzeit in Ludwigsburg studiert), seine Drehbücher und Ideen sind bestechend, lassen niemand kalt und polarisieren die Auswahlkommissionen und Jurys von Festivals und internationalen Preisen. Auf alle Fälle fällt er auf – schon die Erwähnung seines Namens, lässt Kuratoren aufhorchen und nachfragen – in der Erwartung, dass hier einmal etwas Bemerkenswertes kommen wird müssen.

Mit seinem Kurzfilm „Aitch“, Adrian war noch keine 20, gewann er beim mittlerweile verblichenen TV-Sender „Austria 9“ den Publikumspreis. Die polarisierende Geschichte, in der das Gewissen einen am Tod seiner Tochter schuldigen, drogensüchtigen Vater verhört, verschreckte die Jury dermaßen, dass sie nichts damit anzufangen wusste und Adrians Film sicherheitshalber links liegen ließ. Das Publikum aber war sichtlich begeistert und mit knirschenden Zähnen mussten die Dramaturgen und Experten dem jungen Salzburger Nachwuchstalent den Publikumspreis überreichen.

Das Thema von „Die Beste aller Welten“ ist die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Eine Liebe, die alles aushält und alles überwindet. Die Drogensucht, die Umstände, die Umwelt, die Liebe der Mutter macht das Unmöglich scheinende möglich, dass Adrian eine glückliche Kindheit hat, in der es ihm, subjektiv gesehen, an nichts fehlt. Dass Helga als Teenager ein Kind bekommt dessen Vater gleich danach an einer Überdosis stirbt, dass sie aus dem Drogenmilieu lange nicht wegkommt, dass nicht einmal Helgas Vater oder die Nachbarn im Gemeindebau diese Umstände gemerkt haben wollen, ist keine Fiktion sondern war Realität. Eine Realität, die auch heute viele male existiert, mitten unter uns. Der Film ist aber auch eine Liebeserklärung – die des Adrian Goiginger an seine verstorbene Mutter.

Wir arbeiten mit Adrian Goiginger seit seinem Kurzfilm Aitch zusammen, haben ein Spielfilmprojekt begleitet, dessen Finanzierung aber letztlich gescheitert ist – heute ist uns klar, dass das Drehbuch damals einfach noch nicht gut genug war. Allerdings hat Goiginger mit dem Probeshooting und dem Drehbuch für dieses Projekt die Aufnahme in die renommierte Filmhochschule Baden-Württemberg in Ludwigsburg geschafft (mit den gleichen Unterlagen beworben, wäre er auch an der Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Berlin aufgenommen worden, er hat sich aber dann für Ludwigsburg entschieden), an der er studiert, auch dabei haben wir Adrian so gut wie möglich unterstützt und beraten.

Als Produzent, aber auch als Script-Doctor und Dramaturg, habe ich „Die beste aller Welten“  durch 3 Jahre hindurch betreut und an der Entwicklung maßgeblich mitgewirkt. Das ÖFI hat das Projekt von Anfang an unterstützt, die Finanzierung der Herstellung allerdings war dann doch eine harte Nuss. Im Jänner 2015 haben wir dann in Salzburg einen Teaser gedreht, schon mit Verena Altenberger als Helga, der bei der Finanzierung dann durchaus geholfen haben soll.

Eine Bemerkung zur Authentizität des Filmes – wir haben versucht diesen schmalen Grad zu gehen, die Geschehnisse so zu erzählen, wie sie wirklich waren (der Zeitungsartikel vom Wohnungsbrand unterstreicht, hier wird eine wahre Geschichte erzählt) und dennoch den Erfordernissen einer filmischen Umsetzung zu entsprechen.

Mein persönlicher Dank gilt zunächst dem ÖFI: seinem Direktor Mag. Roland Teichmann, der Auswahlkommission, die den Grundstein der Finanzierung gelegt hat und Alessandro Chia, der das Projekt für das ÖFI begleitet hat. Unser zweiter Dank gilt Brigitte Dithard, Redakteurin des SWR, die ebenfalls von Anfang an dabei war. Sie hatte das Drehbuch zugespielt bekommen und nach dem Lesen gemeint, ja das machen wir. Obwohl der Bezug zum Land Baden Württemberg ausschließlich in der Tatsache zu suchen ist, dass der Regisseur dort studiert. Mit der freundlichen Unterstützung des ORF über das Film und Fernsehabkommen, der Medienanstalt des Landes Baden Württemberg, dem M.F.G., und der Stadt und dem Land Salzburg war es möglich den Film zu finanzieren.

Last but not least sei hier auch unserem Koproduzenten Nils Dünker und seiner Lailaps Pictures aus München sehr herzlich für die Zusammenarbeit gedankt. Nils war und ist von Adrians Talent und seinem Film genauso begeistert wie wir alle und hat wesentlich zum Gelingen beigetragen.

Wolfgang Ritzberger
RitzlFilm

Post scriptum: die Frage, warum das Thema „Drogensucht“ aus dem Weichbild öffentlicher Berichterstattung oder dem öffentlichen Diskurs ausgeblendet zu sein scheint, wäre es wert nachzugehen. Die Zahl der Drogenabhängigen mitten unter uns ist nicht gesunken, sondern im Gegenteil gestiegen. Unsere Gesellschaft braucht aber keine „Verlierer“, will sich, so scheint´s, nicht mit denen beschäftigen, die nicht „beautiful“ sind, die dem Druck nicht Stand halten, die nicht ins System passen. Niemand konsumiert Drogen, weil´s ihm schmeckt, nur die Probleme, die zur Sucht führen, werden nicht mehr öffentlich verhandelt. Das aufzugreifen, scheint uns eine begleitende Doku wert zu sein. Das „making of“ zeigt genau dieses Thema und zeigt den Autor und Regisseur Adrian Goiginger auf den Spuren seiner Kindheit – bei den Recherchen für den Film (etwa beim Studium seines Aktes auf dem Jugendamt der Stadt Salzburg) oder dann beim Dreh vor Ort. Sein Stiefvater, ist heute mehr als 10 Jahre clean und arbeitet heute mit therapiewilligen Drogensüchtigen.

und bei wem wir uns auf alle Fälle noch bedanken sollten: 

Zunächst bei einer jungen Dame, deren Filme schon bei der Diagonale aufgefallen sind und die von Adrian aus der Regieklasse in Ludwigsburg als Regieassistentin engagiert wurde. Eigentlich kommt sie aber aus der Steiermark und war eine Stütze und unentbehrliche Hilfe für den Regisseur: Sandra Wollner, der ich an dieser Stelle sehr herzlich für ihren Einsatz und ihre Loyalität danke möchte.

Dann kommen zwei Stützen des Wohlfühlens: Andi Zopf und Rosi Fuchs, die das Catering geleitet haben. Andi, mit seinen „fliegenden Köchen“ ein Profi der Salzburger Szene, war für die wunderbaren Mittagsbuffets zuständig und Rosi verwöhnte das Team mit dem mittlerweile nicht mehr wegzudenkenden Craftservice. Beiden ein herzliches Danke schön, es war wunderbar.

Ein dickes und fettes und dreifaches Hurrah auch dem Produktionsteam rund um die beiden Produktionsleiter Viktor Perdula und Mathias Hammer, die mit Tanja Wolf und den beiden Setaufnahmeleitern Serena und Peter Sommer und ihren Assistenten ein hervorragendes Team bildeten.